Archive for September, 2007

Die Grünen, Afghanistan und die öffentliche Wahrnehmung

Montag, September 17th, 2007

„Nicht ob, sondern wie Militär eingesetzt werden soll – das war die Frage“ bei der Sonder-Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen am vergangenen Samstag in Göttingen. Auch wenn die öffentliche Wahrnehmung dies teilweise anders versteht und davon schreibt und spricht, die Grünen hätten sich für einen Rückzug aus Afghanistan ausgesprochen. In unserer Aktuellen Analyse Nr. 176  „Grüne Basis will klare Worte statt komplexer Kompromisse” lesen Sie, weshalb der Parteitag für die grüne Führung zur Niederlage wurde.

Audiocast zum Jahrestreffen 2007 / »Politik und Medien« Thema des Vortrags von Prof. Donsbach

Montag, September 10th, 2007

Einen „Teufelskreis der politischen Oberflächlichkeit“ diagnostizierte Prof. Dr. Donsbach, Kommunikationswissenschaftler der TU Dresden, bei seinem Vortrag im HAUS RISSEN HAMBURG anlässlich des Jahrestreffens 2007. Die zunehmende Komplexität der politischen Sachverhalte führt dazu, dass in den Medien zunehmend Personalisierung, Skandalisierung und Boulevardisierung vorherrschen. Diese wiederum befördern ein rückläufiges Politikverständnis und ein schwindendes Interesse an Themen des öffentlichen Lebens, was angesichts der stetig wachsenden Komplexität der Sachverhalte den Teufelskreis erneut in Gang setzt. Begünstigt wird dieser Teufelskreis durch die „Drei-Klassen-Informationsgesellschaft“, bei der nur eine kleine Elite in einem hohen Maß die Medien zur politischen Information nutzt, während die etwas größere Klasse der politisch Halbgebildeten zumindest ein oberflächliches Interesse an Politik hat und sich zumindest über Talkshows informiert. Der größte Teil der Bevölkerung gehört inzwischen aber zum „kommunikativen Prekariat“, das politikfern ist und praktisch keine Medien zur Information nutzt. Auch das Internet schließt dabei nicht die Lücke der rückläufigen Lektüre von Tageszeitungen, da es letztlich die gleiche informative Elite ist, die sich über gedruckte und elektronische Medien informiert.

Eine Begleiterscheinung des Teufelskreises der politischen Oberflächlichkeit ist auch eine Veränderung der Politikerpersönlichkeiten, so Donsbach. Da Politiker nur noch um die zehn Sekunden Zeit haben, mit einem Statement Politik im Fernsehen zu erklären, wird die Wirkung der Person wichtiger als der transportierte Inhalt. Diese personalisierte Darstellung spricht aber besonders Menschen mit einer Neigung zur Selbstdarstellung an, die sich dann noch politisch engagieren.

Parallel zum schwindenden Vertrauen in die Politik gefährden jedoch auch medieninterne Entwicklungen selbst das öffentliche Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Nachrichten. Donsbach kritisierte besonders die wachsende Zahl von Tauschgeschäften zwischen Medien und Wirtschaft. Medienpartnerschaften, Werbung gegen PR-Artikel und umgekehrt sowie der Verzicht auf kritische Berichterstattung zugunsten von Werbekunden missbraucht den Vertrauensvorschuss, den Medien noch beim Publikum genießen. Daher seine Forderung: „Baut die Mauer wieder auf!“ – und zwar die Mauer zwischen Redaktion und Anzeigen.

Eine Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Donsbach und Stimmen der Gäste beim Jahrestreffen 2007 hören Sie in unserer Sonderausgabe des Audiocast Politics-To-Go unter http://www.earpaper.de/loudblog/audio/podcast-2007-09-10-49899.mp3 als mp3-Datei.

Aktuelle Studie des HAUS RISSEN HAMBURG zur Situation in Darfur

Montag, September 10th, 2007

„Dies ist eine historische Gelegenheit. Wir müssen sie wahrnehmen!“ Mit diesen Worten eröffnet Generalsekretär der UN Ban Ki Moon am 28.08. die Pressekonferenz in New York zum Thema Sudan und Darfur.

Seine historische Möglichkeit, das ist die Resolution 1769, die der UN Sicherheitsrat am 31.07. ratifizierte. In ihr beschließen die Vereinten Nationen, die bestehende Friedensmission AMIS der Afrikanischen Union (AU) in Darfur bis Ende dieses Jahres zu einer 23.000 Mann starken Hybridmission umzubauen, die unter dem Kommando der UN stehen wird. Dieser Mission stimmte die sudanesische Regierung nach langwierigen Verhandlungen zu, nachdem sie sich vorher wiederholt gegen eine reine UN-Mission gewehrt hatte.

Doch geht es hier wirklich um eine Möglichkeit historischer Dimensionen? Und worum geht es eigentlich in dem Konflikt in Darfur?
Diese Fragen beleuchtet eine gerade erschienene Studie des HAUS RISSEN HAMBURG. Die Hintergründe des Konfliktes in Darfur, aber auch in ganz Sudan werden beleuchtet und die jüngsten Pläne der UN beurteilt.

Die Studie kommt zu dem Schluss, „eine historische Gelegenheit für den Frieden mag die Ausweitung der Mission in Darfur nicht sein“, die gebe es erst, wenn ein wirksames Friedensabkommen zwischen allen beteiligten Parteien unterschrieben sei. Trotzdem sei die Resolution 1769 ein Signal an die Menschen in Darfur, dass ihr Schicksal nicht vergessen werde.

Diese Studie in voller Länge können Sie jetzt unter www.hausrissen.org nachlesen.

Politics-To-Go #8 „Generation Praktikum – zwischen Traumziel und Tretmühle“

Dienstag, September 4th, 2007

Die achte Ausgabe unseres Audicasts Politics-To-Go ist erschienen. Diese nimmt zum Start des neuen Schuljahres noch einmal die Generation Praktikum in den Blick: Es war das Sommerthema des Jahres 2006: die Generation Praktikum! Eng verbunden sind auch die Stichwörter des neuen Prekariats und der urbanen Penner. Ein Jahr später hört man nur noch wenig von diesem Phänomen. War nichts dran? War es doch mehr gefühltes Phänomen als Realität? Oder verdeckt nur der Rückgang der Arbeitslosigkeit das Problem?

Mehr dazu hören Sie im Audiocast Politics-To-Go #8. Sie können das Skript auch als Aktuelle Studie vom 04.09.2007 nachlesen.