Einen „Teufelskreis der politischen Oberflächlichkeit“ diagnostizierte Prof. Dr. Donsbach, Kommunikationswissenschaftler der TU Dresden, bei seinem Vortrag im HAUS RISSEN HAMBURG anlässlich des Jahrestreffens 2007. Die zunehmende Komplexität der politischen Sachverhalte führt dazu, dass in den Medien zunehmend Personalisierung, Skandalisierung und Boulevardisierung vorherrschen. Diese wiederum befördern ein rückläufiges Politikverständnis und ein schwindendes Interesse an Themen des öffentlichen Lebens, was angesichts der stetig wachsenden Komplexität der Sachverhalte den Teufelskreis erneut in Gang setzt. Begünstigt wird dieser Teufelskreis durch die „Drei-Klassen-Informationsgesellschaft“, bei der nur eine kleine Elite in einem hohen Maß die Medien zur politischen Information nutzt, während die etwas größere Klasse der politisch Halbgebildeten zumindest ein oberflächliches Interesse an Politik hat und sich zumindest über Talkshows informiert. Der größte Teil der Bevölkerung gehört inzwischen aber zum „kommunikativen Prekariat“, das politikfern ist und praktisch keine Medien zur Information nutzt. Auch das Internet schließt dabei nicht die Lücke der rückläufigen Lektüre von Tageszeitungen, da es letztlich die gleiche informative Elite ist, die sich über gedruckte und elektronische Medien informiert.
Eine Begleiterscheinung des Teufelskreises der politischen Oberflächlichkeit ist auch eine Veränderung der Politikerpersönlichkeiten, so Donsbach. Da Politiker nur noch um die zehn Sekunden Zeit haben, mit einem Statement Politik im Fernsehen zu erklären, wird die Wirkung der Person wichtiger als der transportierte Inhalt. Diese personalisierte Darstellung spricht aber besonders Menschen mit einer Neigung zur Selbstdarstellung an, die sich dann noch politisch engagieren.
Parallel zum schwindenden Vertrauen in die Politik gefährden jedoch auch medieninterne Entwicklungen selbst das öffentliche Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Nachrichten. Donsbach kritisierte besonders die wachsende Zahl von Tauschgeschäften zwischen Medien und Wirtschaft. Medienpartnerschaften, Werbung gegen PR-Artikel und umgekehrt sowie der Verzicht auf kritische Berichterstattung zugunsten von Werbekunden missbraucht den Vertrauensvorschuss, den Medien noch beim Publikum genießen. Daher seine Forderung: „Baut die Mauer wieder auf!“ – und zwar die Mauer zwischen Redaktion und Anzeigen.
Eine Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Donsbach und Stimmen der Gäste beim Jahrestreffen 2007 hören Sie in unserer Sonderausgabe des Audiocast Politics-To-Go unter http://www.earpaper.de/loudblog/audio/podcast-2007-09-10-49899.mp3 als mp3-Datei.